In der aktuellen Ausgabe der Korrespondenz Wasserwirtschaft der DWA ist unser Fachbeitrag zum Schöpfwerk Zitrone erschienen. Gemeinsam mit zwei starken Partnern haben wir untersucht, was eine Abschaltung des Schöpfwerks im Naturpark Märkische Schweiz bewirken würde – hydrologisch, ökologisch und landwirtschaftlich.
Ein Gebiet, zwei gegenläufige Ziele
Seit den 1960er-Jahren entwässert das Schöpfwerk Zitrone eine abflusslose Senke von rund 1,8 Quadratkilometern. Das Gebiet wird überwiegend ackerbaulich genutzt und liegt zugleich im Vogelschutzgebiet Märkische Schweiz. Die Sölle darin sind gesetzlich geschützte Biotope und dienen Amphibien als Trittsteinhabitate.
Die Entwässerung sichert die landwirtschaftliche Nutzung – die Erhaltungsziele des Schutzgebiets sehen dagegen die Wiederherstellung eines naturnahen Wasserhaushalts vor. Mit einem Wasserhaushaltsmodell in SWAT+ haben wir zwei Szenarien – mit und ohne Schöpfwerksbetrieb – über den Zeitraum 1995 bis 2024 modelliert und die Auswirkungen untersucht.
Die Ergebnisse
- Grundwasserneubildung: Ohne Schöpfbetrieb steigt sie von rund 40 auf etwa 60 Millimeter pro Jahr – das entspricht zusätzlich rund 32.000 Kubikmetern jährlich.
- Kein dauerhafter See: Die Durchlässigkeit im Untergrund reicht aus, damit das Wasser versickert.
- Ökologie: Längere Wasserführung in Söllen und Zitronesee – ein Gewinn für Amphibien und für Arten wie Kranich, Tüpfelsumpfhuhn und Bekassine.
- Landwirtschaft: In rund 69 Prozent der ausgewerteten Jahre gäbe es keine relevanten Überstauungen. Kritisch wären nur zwei von 29 Jahren gewesen.
Übertragbar auf über 250 Standorte
Die Methodik lässt sich auf andere Schöpfwerksstandorte mit vergleichbaren Verhältnissen übertragen. Allein in Brandenburg sind der Landesbehörde über 250 Schöpfwerke bekannt – das Potenzial für den Wasserrückhalt in der Fläche ist entsprechend groß, mit Synergien zum Naturschutz, zur Klimaanpassung und zu den Zielen der EG-Wasserrahmenrichtlinie.
Strom, A.; Spill, C.; Schubert, K.; Krähling, J.; Beisecker, R.; Steinbrecher, G. (2026): Modellierung des Wasserrückhalts mit SWAT+ und integrierte Wirkungsanalyse für ein Binneneinzugsgebiet mit Schöpfwerksbetrieb. Korrespondenz Wasserwirtschaft, 19 (8), S. 443–450. DOI: 10.3243/kwe2026.08.003
Entstanden ist der Beitrag in Zusammenarbeit mit dem Ingenieurbüro für Ökologie und Landwirtschaft (IfÖL) und BÖF-naturkultur für den Naturpark Märkische Schweiz des Landesamtes für Umwelt Brandenburg.